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Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg


ELBE-ANDACHTEN

Domprediger Giselher Quast

  • 1. Elbe-Andacht
    23. Juli 2001
  • 2. Elbe-Andacht
    27. August 2001
  • 3. Elbe-Andacht
    24. September 2001
  • 4. Elbe-Andacht
    29. Oktober 2001
  • 5. Elbe-Andacht
    03. Dezember 2001
  • 6. Elbe-Andacht
    28. Januar 2002
  • 7. Elbe-Andacht
    25. Februar 2002
  • 8. Elbe-Andacht
    25. März 2002
  • 9. Elbe-Andacht
    29. April 2002
  • 10. Elbe-Andacht
    27. Mai 2002
  • 11. Elbe-Andacht
    17. Juni 2002
  • 12. Elbe-Andacht
    29. Juli 2002
  • 13. Elbe-Andacht
    26. August 2002
  • 14. Elbe-Andacht
    30. September 2002
  • 15. Elbe-Andacht
    28. Oktober 2002

  • KONTAKT

    Bürgerinitiative
    PRO ELBE Magdeburg

    c/o Dr. Angela Stephan
    Rübeländer Weg 10
    39118 Magdeburg

    E-Mail:
    elbe@domfelsen.de
    PRO ELBE
     
    6. ELBE-ANDACHT (TAUFSTEIN IM MAGDEBURGER DOM)

    Domprediger Giselher Quast, Magdeburg

    "Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte."
    Genesis 2,15

    Liebe Freunde, Elbe-Aktivisten, Umweltschützer, engagierte Bürger, verantwortungsvolle Politiker!

    Der uralte Schöpfungsauftrag der Bibel an den Menschen stammt von einem primitiven Nomadenvolk, das die semitischen Stämme damals in den Steppen und Wüsten des vorderen Orient waren. Oasen, Wasser, Flüsse waren kostbar. Fruchtbares Land, Weiden für die Tiere waren selten. Und diese einfachen, primitiven Menschen wußten, daß sie das, was sie bebauten und benutzten, auch bewahren müssen.

    3000 Jahre später sind wir eine zivilisierte und kultivierte Menschheit. Wir bebauen und benutzen, wir betonieren und schottern, wir versiegeln und verseuchen - und dann ziehen wir weiter auf der Suche nach unverfälschter Natur, Nomaden der Neuzeit. Wir fliehen die Städte, um im Grünen zu wohnen, wir meiden die kanalisierten, viel befahrenen Flüsse, um noch unentdeckte Strände aufzusuchen. Wir machen Urlaub in "natürlichen" Landschaften und bauen dort unsere Bettenburgen hin. Und - um ein Wort der Ureinwohner Amerikas aufzugreifen - wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fisch gefangen, der letzte Fluß vertrocknet ist, ziehen wir weiter, Nomaden der Neuzeit, hinter uns verbranntes Land - weil wir merken, daß man Geld nicht essen kann.

    Wir berauben uns unserer Heimat, liebe Freunde, weil wir zwar bebauen, aber nicht genug bewahren. Wir zerstören unser eigenes Zuhause mit seinen Schönheiten, die Welt ist ja groß genug! Nomaden der Neuzeit: Baufirmen. Nachdem sie den Rhein und die Mosel und die Donau geschottert oder kanalisiert, mit Staustufen und Schutzdeichen gegen das nicht mehr abfließende Hochwasser versehen haben, sind sie jetzt weitergezogen: nach Ostdeutschland (es sind westdeutsche Firmen, die in Gallin und anderswo bauen!), wo es ja noch so viel unverbautes Terrain gibt! Dazu die Begehrlichkeit der ostdeutschen Länder und Kommunen nach Fördermitteln und ihr gnadenloses Verbauen, auch wenn Investitionen sich nach Jahresfrist als Fehlinvestitionen erweisen - wie gerade der Motopark in Oschersleben.

    Und dann ziehen die nomadisierenden Firmen weiter, um Osteuropa zu verbauen und vielleicht anschließend Rußland und schließlich die Dritte Welt, die noch übrig ist! Wo werden wir am Ende Urlaub machen in unverfälschter Natur? Ist die Erde wirklich groß genug?

    "Und Gott der Herr nahm den Menschen und setze ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte."
    Liebe Freunde, niemals lassen wir uns als Bürgerinitiative in unserem Engagement für die naturnahe Bewahrung der Elbe nachsagen - wie das die Vertreter der Wirtschaft gerne tun - wir würden uns einseitig nur für die Bewahrung einer zweifelhaften Natürlichkeit einsetzen!

    Der Schöpfungsauftrag der Bibel, die Erlaubnis und Beauftragung des Menschen durch Gott lautet eindeutig: bebauen und bewahren. Niemand von uns ist gegen die Nutzung der Elbe, ihrer Kraft, ihrer Möglichkeiten, ihrer Schönheit. Wir sind auch nicht gegen den Schiffsverkehr auf der Elbe! Wir glauben allerdings, daß eine Nutzung der Elbe durch einen sanften Tourismus, durch eine Anbindung an den Lebensraum der Menschen, die an ihr wohnen, sich an ihr erholen, ebenso ein Wirtschaftsfaktor ist, der längst noch nicht ausgereizt ist!

    Liebe Freunde, immer wieder hören wir von Politikern, Wirtschaftsvertretern und Behördenangestellten: man kann doch bebauen und bewahren! Wirtschaftlich nutzen und Natur erhalten! Die IHK behauptet das, der Verkehrsminister behauptet das, die Regierungsposition behauptet das, indem sie immer gleichzeitig die Interessen der Umweltminister und der Investoren bedient oder beruhigt. Die Gutachten sagen etwas anderes. Die Gutachten von Wissenschaftlern, die Gutachten des Regierungspräsidiums, die Gutachten der großen Initiativen.

    Bebauen und bewahren - ja! Aber wenn das Bebauen zum Zerstören wird, zum Zerstören von Lebensräumen wie in Gallin, zur Gefahr des Verlierens von einmaligen europäischen Auenwäldern an der mittleren Elbe, von Naturdenkmälern wie dem Domfelsen hier in Magdeburg, dann ist die Schöpfungserlaubnis Gottes überschritten. Zerstören und bewahren geht niemals gleichzeitig! Ein Felsen, der abgetragen wird, wächst niemals nach!

    Liebe Freunde, der Schöpfungsauftrag Gottes an den Menschen ist eindeutig. Und es ist egal, ob ein Politiker, ein Beamter, ein engagierter Bürger Christ ist oder nicht. Der Schöpfungsauftrag der Bibel ist zutiefst menschlich - und will den Menschen bewahren, seine eigenen Lebensräume Sück für Stück zu zerstören.

    Wir können nicht den Lärm auf der Straße, den Gestank in der Luft, das Schmelzen der Polkappen, die Rodung des Regenwaldes beklagen und vor der eigenen Haustür ungeniert weiterbauen. Vor allem, wenn wir nachhaltig denken und ehrlich mit den Prognosen von Frachtaufkommen und Wirtschaftlichkeit des Schiffsverkehrs auf der Elbe umgehen.

    Liebe Freunde, ein Sprichwort sagt: "Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom." Wer sind heute die toten Fische, die auf der großen Welle der Investoren, der Lobbyisten, der schnellen Versprechungen, des fließenden Geldes aus Fördertöpfen schwimmen? Wir wollen keine toten Fische sein. ("Und sind wir schwach und sind wir klein" - haben wir in der letzten Elbeandacht gesungen, "wir wollen wie das Wasser sein, das weiche Wasser bricht den Stein.")

    Wir schwimmen gegen den Strom, im Augenblick gegen einen übermächtigen Strom von Finanz- und Wirtschaftsinteressen, die über Nachhaltigkeit und Bewahrung gestellt werden; gegen einen Strom von Wahlversprechungen, die wir zu erwarten haben von allen Parteien - und gegen einen übermächtigen Strom von Gleichgültigkeit und Ignoranz.

    Wir wollen keine toten FIsche sein, weil wir den Schöpfungsauftrag Gottes ernst nehmen wollen: "Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, daß er ihn bebaute und bewahrte." Wir wollen, daß auch die Elbe ein Garten Eden wird, der uns nutzt und erhält.
    Amen.

     
    TERMINE

    (Elbeandachten finden wieder statt! Jeden letzten Montag im Monat, 18 Uhr am Domfelsen.)
    26. Mai 18 Uhr
    (Domfelsen)
    Elbe-Andacht
    7. Juni
    (Einsendeschluß an: Iris Brunar, Werderstr.25, 06844 Dessau)
    Verlängerung der Unterschriften-Aktion Saale-Elbe-Kanal? - Nein, Danke!
     
    (Saalemündung bei Barby)
    Internationales Elbe-Saale-Camp

    AUFRUFE

    Protest gegen Saale-Elbe-Kanal
    Moratorium für die Elbe
    Christinnen und Christen für die Elbe
    Künstler für die Elbe
    Mit Argusaugen die Flüsse beschützen!