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Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg


ELBE-ANDACHTEN

Domprediger Giselher Quast

  • 1. Elbe-Andacht
    23. Juli 2001
  • 2. Elbe-Andacht
    27. August 2001
  • 3. Elbe-Andacht
    24. September 2001
  • 4. Elbe-Andacht
    29. Oktober 2001
  • 5. Elbe-Andacht
    03. Dezember 2001
  • 6. Elbe-Andacht
    28. Januar 2002
  • 7. Elbe-Andacht
    25. Februar 2002
  • 8. Elbe-Andacht
    25. März 2002
  • 9. Elbe-Andacht
    29. April 2002
  • 10. Elbe-Andacht
    27. Mai 2002
  • 11. Elbe-Andacht
    17. Juni 2002
  • 12. Elbe-Andacht
    29. Juli 2002
  • 13. Elbe-Andacht
    26. August 2002
  • 14. Elbe-Andacht
    30. September 2002
  • 15. Elbe-Andacht
    28. Oktober 2002

  • KONTAKT

    Bürgerinitiative
    PRO ELBE Magdeburg

    c/o Dr. Angela Stephan
    Rübeländer Weg 10
    39118 Magdeburg

    E-Mail:
    elbe@domfelsen.de
    PRO ELBE
     
    5. ELBEANDACHT (3. DEZEMBER 2001, TAUFSTEIN IM MAGDEBURGER DOM)

    Domprediger Giselher Quast, Magdeburg

    Liebe Freunde!

    Gestern hat die Adventszeit begonnen. Das Wasser fließt die Elbe tagaus, tagein hinunter, ohne sich darum zu kümmern, ob Advent oder Weihnachten ist. Aber uns läuft die Zeit weg, in der wir für die Elbe etwas tun können, denn die Meßschiffe fahren schon über den Domfelsen, die Aufträge werden schon vergeben, die Fakten werden geschaffen. Die Rechner sind am Werk, die Bauleistungen, Schiffsaufkommen und Frachttonnen berechnen.

    Gestern hat die Adventszeit begonnen - die Zeit des Wartens auf das Weihnachtsfest - die Kunst des Wartenkönnens, weil das große Fest nun erst einmal in drei Wochen beginnt.
    Ich habe den Eindruck, daß unsere Gesellschaft vergessen hat, was Wartenkönnen heißt. Es ist gar keine Adventszeit, die wir jetzt feiern. Es ist Weihnachten schon jetzt. Seit Wochen Weihnachtsgebäck in den Kaufhallen, der Weihnachtsmarkt vor Totensonntag eröffnet, das Lied vom 24. Dezember - Stille Nacht, heilige Nacht - dudelt durch alle Großmärkte.

    Die Besinnlichkeit der Weihnachtszeit schlägt in Kaufrausch und Hektik um, weil: die Rechner am Werk sind. Das Geschäft muß sich lohnen. Wer, wenn nicht du ... - alles muß immer sofort sein in unserer Zeit. Und so werden uns Bedürfnisse suggeriert, Kitsch und Kommerz angeboten, so wird mit Gefühlen gespielt - und wenn das Fest dann da ist, ist bereits am 25. Dezember alles abgefeiert, der Frust breitet sich aus und die Schaufenster werden schleunigst mit Silvesterknallern gefüllt, um das nächste Geld in die Luft zu pulvern.

    Warum erinnere ich an dieses Nicht-warten-Können unserer profitorientierten, lustsuchenden Gesellschaft? Weil auch die Elbe und die Elblandschaften leiden unter diesem Nicht-warten-Können. Das Wirtschaftsministerium kann nicht warten auf eine ausgewogene Politik der ökologischen und sozialen Verantwortung. Das Wasser- und Schiffahrtsamt kann nicht warten auf die Ergebnisse von Umweltverträglichkeitsprüfungen. Die IHK kann nicht warten auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Baubetriebe - zumeist aus dem Westen, wo sie Donau, Rhein und Main verbaut haben - können nicht warten auf die Elbaufträge. Die Rechner sind am Werk. Sie wollen Zahlen sehen und keine Landschaften.

    Und am Ende wird das Fest (ich möchte die Elbe mit ihrer Einmaligkeit und Schönheit einmal so bezeichnen!) kein Fest mehr sein, wird die Freude über die naturnahen Ufer in versteinerten Frust umschlagen - und die Mappen der Investoren werden gefüllt sein mit neuen Aufträgen, die wieder Geld zu bringen versprechen.

    Die Elbe ist in Gefahr, weil so vieles nicht warten kann! Wir fordern eine Wartezeit für die Elbe. Wir fordern, daß man die Ergebnisse der Umweltvrträglichkeitsprüfungen abwartet! Und wir fordern, daß man auch für die sogenannten regulären Strombaumaßnahmen überhaupt erst einmal Umweltvrträglichkeitsprüfungen macht. Und wir wissen schon jetzt, daß das Fest für die Elbe nach der Wartezeit nicht Verbauen und Steinigen, Euronormschiffe und Vierspurigkeit heißt, sondern Kostbarkeit der Naturnähe, Elbtourismus und elbgerechte Schiffahrt.

    Liebe Freunde.
    Die Firmen ziehen weiter, von Baustelle zu Baustelle, ihnen ist es egal, welche Landschaft sie hinterlassen. Die Ministerien und Behörden werden nach ihrer Leistung gemessen. Sie können 500 Millionen DM nicht verfallen lassen: Wo, wenn nicht hier und wann, wenn nicht jetzt!

    Und auch wir können nicht warten als Bürgerinitiative. Zu bedrohlich ist die Sprache der Fakten! Und es ist uns genauso wenig Ruhe und Besinnlichkeit vergönnt.

    Nur die Elbe hat Zeit. Denn das Wasser ist nicht aufzuhalten. In den letzten 50 Jahren hat es sich einen Teil der Buhnen zurückgeholt. Es wird bei Hochwasser den Schiffer überspülen, es wird uns alle überdauern und auch dann noch fließen, wenn die Elbe längst nicht mehr für die Schiffahrt gebraucht wird.

    In einem der alten Friedens- und Protestlieder heißt es: "Wir wollen wie das Wasser sein, und sind wir schwach und sind wir klein, wir wollen wie das Wasser sein: das weiche Wasser bricht den Stein." Diese Hoffnung ist der eigentliche Sinn der Adventszeit!
    Amen.

     
    TERMINE

    (Elbeandachten finden wieder statt! Jeden letzten Montag im Monat, 18 Uhr am Domfelsen.)
    26. Mai 18 Uhr
    (Domfelsen)
    Elbe-Andacht
    7. Juni
    (Einsendeschluß an: Iris Brunar, Werderstr.25, 06844 Dessau)
    Verlängerung der Unterschriften-Aktion Saale-Elbe-Kanal? - Nein, Danke!
     
    (Saalemündung bei Barby)
    Internationales Elbe-Saale-Camp

    AUFRUFE

    Protest gegen Saale-Elbe-Kanal
    Moratorium für die Elbe
    Christinnen und Christen für die Elbe
    Künstler für die Elbe
    Mit Argusaugen die Flüsse beschützen!