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Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg


ELBE-ANDACHTEN

Domprediger Giselher Quast

  • 1. Elbe-Andacht
    23. Juli 2001
  • 2. Elbe-Andacht
    27. August 2001
  • 3. Elbe-Andacht
    24. September 2001
  • 4. Elbe-Andacht
    29. Oktober 2001
  • 5. Elbe-Andacht
    03. Dezember 2001
  • 6. Elbe-Andacht
    28. Januar 2002
  • 7. Elbe-Andacht
    25. Februar 2002
  • 8. Elbe-Andacht
    25. März 2002
  • 9. Elbe-Andacht
    29. April 2002
  • 10. Elbe-Andacht
    27. Mai 2002
  • 11. Elbe-Andacht
    17. Juni 2002
  • 12. Elbe-Andacht
    29. Juli 2002
  • 13. Elbe-Andacht
    26. August 2002
  • 14. Elbe-Andacht
    30. September 2002
  • 15. Elbe-Andacht
    28. Oktober 2002

  • KONTAKT

    Bürgerinitiative
    PRO ELBE Magdeburg

    c/o Dr. Angela Stephan
    Rübeländer Weg 10
    39118 Magdeburg

    E-Mail:
    elbe@domfelsen.de
    PRO ELBE
     
    15. ELBE-ANDACHT (28. OKTOBER 2002, DOM)

    Domprediger Giselher Quast, Magdeburg

    Liebe Elbfreunde,

    "wes das Herz voll ist, des geht der Mund über", sagt das Sprichwort. Und heute ist es an der Zeit, den Mund übergehen zu lassen, zu jubeln, zu lachen, zu singen, weil wir unser Ziel erreicht haben: Der Elbe-Ausbau ist gestoppt! Der Domfelsen bleibt in Magdeburg unangetastet!

    Und ich habe jetzt keine Lust zu Bedenklichkeiten und Verhaltenheit und Miesmache ("wer weiß, was in 4 Jahren bei der nächsten Regierung ist..."): Jetzt haben wir es erst einmal geschafft. In 4 Jahren wird uns auch wieder was einfallen, wenn es dann überhaupt noch nötig ist.

    "Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über" - jeder von uns hat dieses Überströmen von Freude wohl erlebt, als die Nachricht vor 18 Tagen in den Medien kam. Es war kaum zu glauben! Das Versprechen, das die Grünen uns hier in Magdeburg gegeben hatten - im Falle einer Koalitionsbeteiligung den Elbeausbaustopp zur Bedingung zu machen, ist gehalten worden! Und die erstarkt aus den Wahlen hervorgegangene grüne Partei mit einem hochakzeptierten Spitzenpolitiker wie Joschka Fischer konnte sich dieses Versprechen auch leisten!

    Es hat sich ausgezahlt, daß Paul Dörfler und der BUND und die Grünen die entscheidenen Leute hier an den Fluß, auf den Fluß geholt haben. Denn wer über die Elbe entscheidet, kann das nicht vom Schreibtisch aus tun, nicht einmal vom "grünen Tisch". Wir engagieren uns für die Elbe, weil wir sie kennen, weil wir an ihr leben, weil nicht sie uns nutzen, sondern weil wir ihr nutzen wollen. Und das überlegt man nicht am grünen Tisch!

    "Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über." Mir geht das hier im Dom natürlich besonders so. In solch einem Raum - der ja als Ort des Lebens und Feierns gebaut wurde - geht einem das Herz ganz besonders über. Ich will das an zwei Beispielen deutlich machen: Gestern abend sang hier unser Partnerchor aus der Kathedrale von Worchester den Evensong im Dom - es war traumhaft schön, wie dieser Kabenchor sang. Draußen heulte und tobte der Sturm - und innen war Frieden, eine fast überirdische Harmonie. So geht es mir im Augenblick mit der Elbe auch: Draußen heulen die Landesregierung und die CDU und die Ämter und die Vereine zur Hebung der Schiffahrt - aber sie heulen vergeblich - drinnen ist Friede. An den Elbeausbaustopp kommen sie nicht mehr heran.

    Wer vor 14 Tagen die MDR-Sendung mit Verkehrsminister Daehre und seinen Verbündeten contra Paul Dörfler gesehen hat - eine ungleiche und ungeschickte Zusammenstellung für eine faire Diskussion - der hat auch den inneren Frieden in Paul Dörflers immer ruhigen und immer freundlichen Augen gesehen. Mögen die anderen heulen - das Sturmtief zieht vorüber wie gestern beim Evensong.

    Und noch ein anderes Beispiel aus dem Dom: Vor uns, noch hinter dem Taufstein, hängt das Foucaultsche Pendel, dieses Jahr die Attraktion im Dom. (Nur noch ein paar Tage - morgen ist die Abschlußveranstaltung!) Und in regelmäßigen Abständen wirft das Pendel einen Metallstift um - Zeichen dafür, daß sich die Erde unter uns dreht.

    D.h. es sind Gesetzmäßigkeiten, die nicht aufzuhalten sind. Wie die Erde sich dreht und das Wasser die Elbe hinunterläuft, so gibt es auch eine Gesetzmäßigkeit für ökologisches Denken und ökologisches Handeln: Auch dieses Bewußtsein hat eine innere Entwicklung, oft sogar eine dialektische. Aber am Ende wird sich das Eintreten für die Natürlichkeit des Lebens als eine gestzmäßige Notwendigkeit herausstellen - nicht von der Natur beherrscht sein und über die Natur herrschen, sondern in Solidarität mit ihr dem Willen des Schöpfers und der Schöpfung entsprechen, das ist es, was dem Menschen zugute kommt. Die Erde dreht sich weiter, das Wasser der Flüsse fließt weiter: wir können und werden nicht auf einem naturverachtenden und umweltzerstörenden Niveau des Leben stehenbleiben. Wer das versucht, wird mit schöner Regelmäßigkeit wie die kleinen Metallstifte da vorn gekippt!

    Liebe Elbefreunde! "Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über." Heute ist aber nicht nur Zeit für überströmende Freude. Heute ist auch Zeit für staatsbürgerliches Bewußtsein. Als wir vor 15 Monaten die Bürgerinitiative gründeten und die Elbe-Andachten mit dem Segen für Fluß und Felsen begannen, sagten alle politisch Verantwortlichen: Warum kommt ihr denn so spät? Es ist doch schon alles beschlossen, veröffentlicht, diskutiert und genehmigt. Und wir haben gesagt: Es ist nicht zu spät! In einer Demokratie ist es nie zu spät! Wir haben als kleine Minderheit angefangen zu powern - Bürgerinitiativen elbauf und elbab haben sich gebildet, eine ebensolche Minderheitenpartei hat sich des Themas angenommen - und am Ende haben wir auf politische, demokratische Weise Erfolg gehabt. Mögen die politischen und wirtschaftlichen Gegner noch so sehr opponieren.

    Hier ist nichts Illegales geschehen, sondern bürgerliche Meinungsbildung, basisnahes Handeln, öffentliches Eintreten und politisches Agieren: das ist Demokratie. Und wenn in 4 Jahren andere etwas anderes wollen, werden wir wieder von vorne anfangen! Am Ende wird die Elbe uns alle überleben!

    Und ein letztes möchte ich sagen: Der Ausbaustopp der Elbe, der Saale und der Donau sind für mich nicht nur ein politischer Erfolg, sondern auch ein Erfolg des Glaubens! Vor 2 Jahren habe ich als Pfarrer die Schirmherrschaft für die Magdeburger Elb-Initiative übernommen. Aus gutem Grund! Ich habe das in vielen Andachten deutlich gemacht: Gott hat uns in der Bibel den Auftrag gegeben, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Das beides im Gleichgewicht bleibt, ist Christenpflicht und Mahnung der Kirche! Solange ich hier Pfarrer am Dom bin, habe ich mich deshalb für ökologische Belange eingesetzt - schwierig zu DDR-Zeiten, schwierig zu BRD-Zeiten. Denn die Bebauer der Erde haben immer eine viel stärkere Lobby als die Bewahrer.

    Aber auch noch aus einem andernen Grund ist der Ausbaustopp ein Erfolg des Glaubens für mich. Glauben heißt: gegen den Augenschein auf das Irrationale vertrauen! Und genau das haben wir : gegen die Fakten der Ausbauentscheidungen, gegen den schon verkippten Schotter, gegen die nicht eingehaltenen Versprechen der Regierung haben wir geglaubt, etwas erreichen zu können! Und das Unwahrscheinliche ist geschenen, schneller als gedacht! Gott ist allemal gut für des Irrationale! Er bringt dort Leben in Bewegung, wo alles tot ist. Er weckt Hoffnung, wo andere resignieren. Er kann aus einem Senfkorn einen Baum, aus einem Krippenkind einen Erlöser und aus einer kleinen Bürgerinitiative einen großen politischen Einfluß machen! Logisch ist das alles nicht - aber typisch Gott! Er hört nicht auf, sich um seine Schöpfung zu kümmern - und will, daß wir dabei seine Werkzeuge sind.

    Liebe Freunde, das Ende unserer Elbeandachten heißt nicht das Ende unseres Einsatzes für die Umwelt, Gottes gute Schöpfung. Wir werden jetzt der Regierung auf die Finger schauen, ob sie die Koalitionsvereinbarung mit Leben erfüllt. Wir werden auch mit anderen Interessen zu streiten haben. Die ersten Äußerungen des neuen Verkehrsministers Manfred Stolpe klingen nicht sehr ökologisch! Wir werden wachsam bleiben. Die Initiativtreffen gehen weiter! Aber wir können es uns erst einmal leisten, im Winter nicht jeden Monat hier im Dom zu frieren und im Sommer die Elbe entspannter zu genießen und zu erleben.

    Am Ende unserer Elbeandachten möchte ich Ihnen allen danken, daß sie mit mir und mit uns gehofft und gekämpft haben, geglaubt und vertraut, gesungen und gesegnet, diskutiert und gesprochen haben. Wir haben es erfahren: Und sind wir schwach und sind wir klein, wir wollen wie das Wasser sein: das weiche Wasser bricht den Stein! Amen.

     
    TERMINE

    (Elbeandachten finden wieder statt! Jeden letzten Montag im Monat, 18 Uhr am Domfelsen.)
    26. Mai 18 Uhr
    (Domfelsen)
    Elbe-Andacht
    7. Juni
    (Einsendeschluß an: Iris Brunar, Werderstr.25, 06844 Dessau)
    Verlängerung der Unterschriften-Aktion Saale-Elbe-Kanal? - Nein, Danke!
     
    (Saalemündung bei Barby)
    Internationales Elbe-Saale-Camp

    AUFRUFE

    Protest gegen Saale-Elbe-Kanal
    Moratorium für die Elbe
    Christinnen und Christen für die Elbe
    Künstler für die Elbe
    Mit Argusaugen die Flüsse beschützen!