domfelsen.de

Bürgerinitiative PRO ELBE Magdeburg


ELBE-ANDACHTEN

Domprediger Giselher Quast

  • 1. Elbe-Andacht
    23. Juli 2001
  • 2. Elbe-Andacht
    27. August 2001
  • 3. Elbe-Andacht
    24. September 2001
  • 4. Elbe-Andacht
    29. Oktober 2001
  • 5. Elbe-Andacht
    03. Dezember 2001
  • 6. Elbe-Andacht
    28. Januar 2002
  • 7. Elbe-Andacht
    25. Februar 2002
  • 8. Elbe-Andacht
    25. März 2002
  • 9. Elbe-Andacht
    29. April 2002
  • 10. Elbe-Andacht
    27. Mai 2002
  • 11. Elbe-Andacht
    17. Juni 2002
  • 12. Elbe-Andacht
    29. Juli 2002
  • 13. Elbe-Andacht
    26. August 2002
  • 14. Elbe-Andacht
    30. September 2002
  • 15. Elbe-Andacht
    28. Oktober 2002

  • KONTAKT

    Bürgerinitiative
    PRO ELBE Magdeburg

    c/o Dr. Angela Stephan
    Rübeländer Weg 10
    39118 Magdeburg

    E-Mail:
    elbe@domfelsen.de
    PRO ELBE
     
    14. ELBE-ANDACHT (30. SEPTEMBER 2002, DOMFELSEN)

    Domprediger Giselher Quast, Magdeburg

    Liebe Elbefreunde!

    Einen Monat lang liegen nun das Elbehochwasser und die Flutkatastrophe zurück. Wir hatten Zeit nachzudenken. Wir hatten Zeit zu wählen. Wir hatten Zeit uns zu engagieren.

    Ich bin auf Vorschlag der Bundesregierung in das deutsche Fluthilfekuratorium berufen worden. Hier lerne ich die Folgen eines falschen Umgangs mit der Elbe noch einmal anders kennen: Nicht nur an den Schäden, die die Natur erleidet. Sondern auch das ungeheure Ausmaß der Schäden, die Menschen erlitten haben.

    Richard von Weizsäcker, der Vorsitzende dieses Kuratoriums, hat gesagt, es müsse der großen Welle der Solidarität unter den Deutschen jetzt auch das Gefühl von Gerechtigkeit nachfolgen. Ja, aber nicht nur Gerechtigkeit in der Verteilung der Entschädigungssummen! Sondern auch Gerechtigkeit, nachhaltige Gerechtigkeit im Umgang mit der Natur. Wir alle wissen, daß wir nach dieser Katastrophe unseren Flüssen anders gerecht werden müssen. Und jetzt wissen das anscheinend nicht nur Fachleute und besorgte Bürger, sondern auch die verantwortlichen Politiker!

    Die Elbe hat sich zu Wort gemeldet, wie die Moldau, die Mulde und mancher harmlose kleine Bach auch, der zum reißenden Strom geworden ist. Wir werden diese Stimme nicht überhören können.

    Im Alten Testament der Bibel fand ich unlängst ein schreckliches Wort, bei dem ich unmittelbar an die Flutereignisse denken mußte; ein schreckliches und ein hoffnungsvolles Wort: "Gott wird die Schöpfung bewaffnen zur Abwehr der Feinde; mit ihm zusammen aber wird die Welt kämpfen gegen die Toren." (Weish. 5, 18b.21b.)

    Die Schöpfung hat sich bewaffnet, sie hat zurückgeschlagen - Naturgewalten sagen wir nicht umsonst - , und sie hat sich vielerorts als stärker denn der Mensch erwiesen. Wieder einmal ist uns bewußt geworden, wie hilflos wir mit aller Technik, mit allem Fortschritt gegenüber solchen "höheren Mächten" sind.

    Und es ist makaber: Der Schöpfung, der Natur, der Elbe selbst ist etwas gelungen, was uns in jahrelanger Arbeit der Bürgerinitiativen, in Protestveranstaltungen und Widerstandsaktionen nicht gelungen ist: Der Ausbau der Elbe ist gestoppt! Mitten unter der Flut hat Bundeskanzler Schröder seinen Verkehrsminister Bodewig angewiesen, den Elbe-Ausbau auf den Prüfstand zu heben. Inzwischen hat Herr Bodewig, der immer für den ungebremsten Ausbau eingetreten ist, den Ausbaustopp bis zum Jahresende verfügt. In dieser Zeit sollen die Hochwasserbelange der Elbe mit den Auen als natürlichen Überflutungsflächen, mit dem notwendigen Ausbau der Deichsysteme überprüft werden.

    Das ist noch lange nicht genug. Aber das ist ein Anfang, eine Denkpause, die beide Seiten nutzen können! Wir wollen als Bürgerinitiative nicht sagen: Wir haben's ja schon immer gewußt! Hättet ihr nur auf uns gehört! Nein, keine Besserwisserei. Auch wir haben nicht gewußt, was bei einer Flutkatastrophe diesen Ausmaßes auf uns zukommt.

    Die Elbe mußte sich erst selber zu Wort melden, ehe die Verantwortlichen zum Nachdenken und Innehalten gekommen sind. "Gott hat die Schöpfung bewaffnet zur Abwehr der Feinde." Ja, und es ist schrecklich. Und wir fragen auch ohne Besserwisserei und Überheblichkeit: Muß es erst soweit kommen, müssen erst solche Schäden entstehen, ehe die Ausbaupläne gestoppt werden? Muß der Mensch immer wieder bis zum Äußersten gehen, sich die Finger verbrennen, muß ihm erst das Wasser bis zum Hals stehen, ehe der Mensch die Notbremse zieht? Warum muß es in Politik, Gesellschaft, Forschung und Wirtschaft immer wieder erst soweit kommen?!

    Besteht Demokratie denn nur darin, die eigenen Interessen bis zum letzen durchzukämpfen, der eigenen Position Macht zu verschaffen, weil die Freiheit das erlaubt? Gibt es denn nur Position und Opposition und kein gemeinsames Interesse, das schon vor dem Ende der Fahnenstange innehält und einen breiten gesellschaftlichen Konsens sucht?

    Wenn nicht, wird Gott wieder seine Schöpfung bewaffnen zur Abwehr der Feinde. Dann wird uns die schöne rote Farbe der Wurst krankmachen, mit jedem Gramm Gehacktem essen wir den Streß und die Depressionen der Massentierhaltung und Schlachthofängste in uns hinein; die genmanipulierten Pflanzen und die BSE-verseuchten Rinder haben alle schon ihre Auswirkungen auf den Menschen. "Gott wird seine Schöpfung bewaffnen zur Abwehr der Feinde."

    Liebe Elbefreunde! Auch wenn wir Widerstand leisten, werden wir immer wieder von diesen Folgen unserer Zivilisation und des Fortschritts eingeholt. Wir sind mit betroffen. Aber wir sind nicht zum Hinnehmen verurteilt. Das Bibelwort endet mit der Aufforderung: "Mit ihm (Gott, und seiner bewaffneten Schöpfung) zusammen aber wird die Welt kämpfen gegen die Toren." Wir sind nicht die Opfer der Schöpfung, wir sind ihre Verbündeten. Wir sind nicht der Spielball Gottes sondern seine Mitstreiter. Gott und Mensch gegen die Toren, die Dummen, die Uneinsichtigen und Egoisten. Wir und die Elbe gegen die Ausbaupläne und die ungeprüfte Entfremdung der Flüsse! Wir haben einen starken, bewaffneten Verbündeten in der Elbe!

    Mit Gott kämpfen gegen die Toren - das muß jetzt in couragierte politische Münze umgesetzt werden. Die Wahlen, die mit der Flut zusammengetroffen sind und den Grünen Auftrieb verliehen haben, sind eine Chance dafür. Unsere politische Adresse geht deshalb eindeutig an die Grünen, die vor der Wahl zugesagt haben, das Elbemoratorium zur Koalitionsbedingung zu machen. Eine gestärkt aus der Wahl hervorgegangene Umweltpartei hat die besten Chanchen dafür.

    Mit Gott und der Schöpfung zusammen wird die Welt kämpfen gegen die Toren - wir tun das hier in Magdeburg, Politiker tun das in Bonn, und mit uns engagierte Menschen in der ganzen Welt. Und wir brauchen nicht zu verzagen: Wir haben starke Verbündete - die Schöpfung und Gott selbst!

     
    TERMINE

    (Elbeandachten finden wieder statt! Jeden letzten Montag im Monat, 18 Uhr am Domfelsen.)
    26. Mai 18 Uhr
    (Domfelsen)
    Elbe-Andacht
    7. Juni
    (Einsendeschluß an: Iris Brunar, Werderstr.25, 06844 Dessau)
    Verlängerung der Unterschriften-Aktion Saale-Elbe-Kanal? - Nein, Danke!
     
    (Saalemündung bei Barby)
    Internationales Elbe-Saale-Camp

    AUFRUFE

    Protest gegen Saale-Elbe-Kanal
    Moratorium für die Elbe
    Christinnen und Christen für die Elbe
    Künstler für die Elbe
    Mit Argusaugen die Flüsse beschützen!